Der Wolf, der Fuchs und das Kamel

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Der Wolf und der Fuchs hatten sich befreundet, um zusammen in den Bergen auf die Jagd zu gehen. Sie sind lange spaziergegangen, konnten aber nichts finden.
Dann liefen sie von den Bergen runter. Unterwegs fanden sie einen Korb voll mit Brot. Der Wolf begann es zu fressen, und der Fuchs raubte ihm das Brot vom Maul .
„Warum raubst du mir das Brot vom Maul, mein Fuchs?“
„Wieso, warum? Sind wir denn keine Freunde? Was wir finden brüderlich, das teilen wir brüderlich“, antwortete ihm der Fuchs

Dann teilte der Wolf das Brot ein bisschen, gab es dem Fuchs, mehr aber liess er für sich selbst. Der Fuchs aber wurde böse und schob das Brot von sich.

„Warum bekomme ich so wenig?“, fragte der Fuchs ärgerlich.
Der Wolf und der Fuchs begannen sich zu streiten und konnten nicht übereinkommen. Da kam ein Kamel dazu.
„Wartet nur und lasst mich sehen, warum ihr streitet“, sagte das Kamel zum Wolf. Als das Kamel sah, dass der Wolf das Brot ungerecht geteilt hatte, bot es seine Hilfe an, das Brot zu teilen, wollte aber selbst auch ein Stück davon bekommen. Der Fuchs aber nahm das Brot und begann, es in drei gleiche Stücke zu teilen. Das Kamel bemerkte, dass auch der Fuchs das Brot ungerecht teilte. Da nahm es selbst das Brot und begann es zu teilen. 
„Weder der Wolf“, sagte das Kamel, „noch der Fuchs haben das Brot gerecht geteilt. Jetzt hebe ich das Brot hoch und was herunterfällt, das nehmt ihr.“
Es nahm das ganze Brot ins Maul, hob den Kopf nach oben mit seinem langen Hals und begann es zu fressen.
Der Wolf und der Fuchs wurden weiss in den Augen. Das Kamel frass, sie aber schluckten bloß, nahmen die Brösel, die vom Maul des Kamels runterfielen und schlugen sich noch darum. Sie hüpften und sprangen, um von dem Maul des Kamels ein Stück Brot abzureißen, aber sein Hals war lang wie eine Pappel.  

 „So ist das Leben“, sagte der Fuchs, „einer verdient, und ein anderer frisst.“

               

 

Der Wolf und der Mensch

Gebrüder Grimm

Der Fuchs erzählte einmal dem Wolf von der Stärke des Menschen; kein Tier könnte ihm widerstehen, und sie müßten List gebrauchen, um sich vor ihm zu erhalten. Da antwortete der Wolf: „Wenn ich nur einmal einen Menschen zu sehen bekäme, ich wollte doch auf ihn losgehen." - „Dazu kann ich dir helfen", sprach der Fuchs; „komm nur morgen früh zu mir, so will ich dir einen zeigen." Der Wolf stellte sich frühzeitig ein, und der Fuchs brachte ihn hinaus auf den Weg, den der Jäger alle Tage ging. Zuerst kam ein alter, abgedankter Soldat. „Ist das ein Mensch?" fragte der Wolf. „Nein", antwortete der Fuchs, „das ist einer gewesen." Danach kam ein kleiner Knabe, der zur Schule wollte. „Ist das ein Mensch?" - „Nein, das will erst einer werden." Endlich kam der Jäger, die Doppelflinte auf dem Rücken und den Hirschfänger an der Seite. Sprach der Fuchs zum Wolf: „Siehst du, dort kommt ein Mensch, auf den mußt du losgehen; ich aber will mich fort in meine Höhle machen." Der Wolf ging nun auf den Menschen los. Der Jäger, als er ihn erblickte, sprach: „Es ist schade, daß ich keine Kugel geladen habe", legte an und schoß dem Wolf das Schrot ins Gesicht. Der Wolf verzog das Gesicht gewaltig, doch ließ er sich nicht schrecken und ging vorwärts. Da gab ihm der Jäger die zweite Ladung. Der Wolf verbiß den Schmerz und rückte dem Jäger zu Leibe. Da zog dieser seinen blauen Hirschfänger und gab ihm links und rechts ein paar Hiebe, daß er, über und über blutend, mit Geheul zu dem Fuchs zurücklief. „Nun, Bruder Wolf", sprach der Fuchs, „wie bist du mit dem Menschen fertig geworden?" - „Ach", antwortete der Wolf, „so hab ich mir die Stärke des Menschen nicht vorgestellt. Erst nahm er einen Stock von der Schulter und blies hinein, da flog mir etwas ins Gesicht, das hat mich ganz entsetzlich gekitzelt; danach pustete er noch einmal in den Stock, da flog mir's um die Nase wie Blitz und Hagelwetter, und wie ich ganz nahe war, da zog er eine blanke Rippe aus dem Leib, damit hat er so auf mich losgeschlagen, daß ich beinah tot wäre liegengeblieben." - „Siehst du", sprach der Fuchs, „was du für ein Prahlhans bist; du wirfst das Beil so weit, daß du's nicht wieder holen kannst."

 


 

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