Der Wolf

                                                                                                                                                                             
 
Systematik         
 


Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie:  Hundeartige (Canoidea)
Familie:          Hunde (Canidae)
Tribus:           Echte Hunde (Canini)
Gattung:       Canis
Art:              Wolf
                                Wissenschaftlicher Name Canis lupus Linnaeus 1758


Der Wolf (Canis lupus) ist eine Hundeart in der Gattung Canis.
Wölfe leben und jagen im Rudel, Hauptbeute sind mittelgroße bis große Huftiere.
Die Art war früher auch in ganz Europa verbreitet, wurde jedoch in West- und Mitteleuropa weitgehend ausgerottet.
Deutschland wurde erst Ende der 1990er Jahre wieder besiedelt, im Jahr 2000 wurden erstmals Welpen festgestellt.
Wölfe haben schon frühzeitig Eingang in die Mythen und Märchen vieler Völker gefunden,
sie zählen daher zu den bekanntesten Raubtieren. Haushund (Canis lupus familiaris),
sowie Neuguinea-Dingo (Canis lupus hallstrom) und australischer Dingo (Canis lupus dingo)
sind durch Domestizierung entstandene Unterarten des Wolfs.


Merkmale


Grundsätzlich ähnelt der Wolf einem großen Haushund. Verglichen mit diesen haben Wölfe jedoch einen längeren Rumpf und einen höheren, aber schmaleren Brustkorb. Der Kopf ist relativ groß, die Stirn ist breit. Die Augen setzen schräg an, die Ohren sind eher kurz. Der buschige Schwanz hat etwa ein Drittel der Körperlänge. Die Färbung ist sehr variabel, es gibt weiße, cremefarbene, dunkle, gelbliche, rötliche, graue und schwarze Wölfe. In den gemäßigten Zonen Europas und Asiens überwiegen graue Wölfe, die nördlichen Populationen zeigen größere
Anteile schwarzer und weißer Tiere. Meist überwiegen dunkle Haare auf dem Rücken und dem Schwanz. Bauch, Beine und Schnauze sind meist deutlich heller gefärbt.
Maße und Gewichte des Wolfes sind aufgrund seines ausgedehnten Verbreitungsgebietes sehr
unterschiedlich (siehe Bergmannsche Regel): Die größten Wölfe in den Waldzonen Lettlands,
Weißrusslands, Alaskas und Kanadas erreichen eine Kopfrumpflänge von bis zu 160 cm, der
Schwanz ist zusätzlich bis zu 52 cm lang. Die Schulterhöhe beträgt etwa 80 cm. Diese Wölfe
können bis zu 80 kg wiegen.
Die kleinsten Wölfe leben im vorderen Orient und auf der Arabischen Halbinsel; ihre Körperlänge
beträgt etwa 80 cm bei einem Gewicht von rund 20 kg und einer Schwanzlänge von etwa 29 cm.
Die Weibchen sind um 2 bis 12 % kleiner als die Rüden und 20 bis 25 % leichter.
Mitteleuropäische Wölfe liegen zwischen diesen Extremen. Männliche polnische Wölfe aus dem
Bialowieza-Urwald hatten eine Körperlänge (einschließlich Schwanz) von im Mittel 119 cm (Extreme 140-195 cm) und eine Schulterhöhe von 70-90 cm, Weibchen aus dem selben Gebiet eine mittlere Körperlänge von 111 cm (Extreme 97-124 cm) und eine Schulterhöhe von 60-80 cm.
Männchen aus dem Südosten Polens wogen 35-67 kg, Weibchen 27-50 kg.[1]

Soziale Organisation

Obwohl man auch einzelne Wölfe in der Wildnis antrifft, ist die normale Sozialordnung des Wolfes das Rudel. Das Wolfsrudel besteht im Regelfall aus dem Elternpaar und deren Nachkommen, es handelt sich also um eine Familie. Wölfe werden erst mit zwei Jahren geschlechtsreif (Haushunde schon mit 7 bis 11 Monaten) und verbleiben bis zur Geschlechtsreife bei den Eltern. Die vorjährigen Jungwölfe unterstützen das Elternpaar bei der
Aufzucht der neuen Welpen. Unter normalen Bedingungen besteht ein Rudel im Herbst also aus dem Elternpaar, dem Nachwuchs aus dem Vorjahr und dem Nachwuchs aus dem selben Jahr. Mit Erreichen der Geschlechtsreife wandern die Jungwölfe in der Regel aus dem elterlichen Territorium ab und suchen ein eigenes Revier. Die Elterntiere sind grundsätzlich dominant gegenüber ihrem Nachwuchs, Kämpfe um die Rangordnung gibt es
daher nicht. Eine Paarung verwandter Tiere findet üblicherweise auch dann nicht statt, wenn keine anderen Sexualpartner zur Verfügung stehen,denn der Rüde verweigert eine solche Paarung.
In der Literatur findet sich häufig die Darstellung einer streng hierarchischen Rangordnung mit einem dominanten Alpha-Paar, das in der Regel die Nachkommen des Rudels zeugt, einer Gruppe nachgeordneter Tiere und einem schwachen Tier am Ende der Rangordnung in der Rolle des „Prügelknaben“ oder Omega-Wolfs. Diese Darstellungen sind das Ergebnis der Forschung an Wölfen in Gefangenschaft und keinesfalls auf natürliche
Verhältnisse übertragbar. In Gefangenschaft wurden meist Wölfe unterschiedlicher Herkunft oder Familiengruppen zusammengesperrt und gezüchtet.
Hier ist weder eine Abwanderung mit Erreichen der Geschlechtsreife möglich, noch die (mit der Abwanderung verbundene) Vermeidung von Verpaarungen verwandter Tiere. In diesen in Gefangenschaft gehaltenen Rudeln sind daher Auseinandersetzungen häufig.
Die Tragzeit liegt bei etwa sechzig Tagen; in einem Wurf befinden sich in der Regel zwischen drei und sieben (selten ein, zwei oder acht bis vierzehn) Welpen.


Ernährung und Jagd

Das Beutespektrum eines Wolfes reicht in der Größe von Mäusen bis zu Bisons. Wölfe, die große Tiere erbeuten, jagen gemeinsam. Um dabei erfolgreich zu sein, brauchen sie ausgeklügelte und aufeinander abgestimmte Strategien. Die Tiere beginnen die Jagd mit dem Hetzen der Herde. So erkennen sie schnell die langsameren alten oder kranken Tiere, die sie von den Gruppe trennen, indem sie sie einkreisen. Manchmal warten bereits einige Wölfe eines Rudels in einem Versteck voraus und die anderen Tiere treiben die abgetrennte Beute in deren Richtung. Anders als Großkatzen töten Wölfe ein großes Beutetier nicht immer mit einem gezielten Biss in den Hals, sondern zerren es gemeinsam zu Boden. An der erlegten Beute fressen entweder alle gleichzeitig oder die Fressordnung richtet sich nach der Hierarchie im Rudel. Wölfe verschlingen so viel wie möglich von der Beute auf einmal (sie verdauen die Nahrung innerhalb weniger Stunden und fressen bei Bedarf sofort weiter) und verscharren häufig einen weiteren Teil. Das sichert ihnen Reserven bis zum nächsten Jagderfolg, der oft lange auf sich warten lässt. Ein gesunder Wolf kann bis zu zwei Wochen ohne Nahrung auskommen. Das Erlegen eines großen Beutetieres kann sich über mehrere Tage hinziehen und ist sehr kräftezehrend. Obwohl Wölfe eigentlich Fleischfresser sind, verschmähen sie auch Früchte oder Abfälle nicht, wenn die Nahrung knapp ist.

Paarungszeit

Die Ranzzeit dauert bei Wölfen etwa von Dezember bis Februar. Duftstoffe im Urin der Alpha-Fähe weisen den Rüden darauf hin, dass die Wölfin empfängnisbereit ist. In dieser Zeitspanne weicht der Rüde ihr nicht von der Seite. Vor- und nachher kopuliert die Fähe auch mit rangniedrigeren Rüden. Ein guter Trick, damit sich später alle Tiere um den Nachwuchs kümmern. Es könnte ja sein, dass es der eigene ist.

Nach etwa 63 Tagen Tragzeit bringt die Wölfin in einer Höhle zwei bis acht Junge zur Welt. Ein Wolfsrudel verbringt das Frühjahr und den Sommer in der Nähe von so genannten Sommerlagern, deren Zentrum der Bau ist. In den ersten drei Wochen nach der Geburt bleibt die Mutter in der Höhle, um die Welpen zu säugen und zu beschützen. Die anderen Tiere schleppen das Futter für sie heran. Wenn sich nach etwa zwei Wochen Augen und Ohren der Welpen geöffnet haben und eine Woche später die ersten Milchzähne durchbrechen, wagen sich die Jungen aus dem Bau heraus. Ab diesem Zeitpunkt kümmert sich das gesamte Rudel um die Kleinen. Sie wechseln sich mit der Futterbeschaffung und der „Aufsicht” der Welpen ab. Die Jungen betteln die zurückkehrenden Wölfe um Futter an, indem sie ihnen die Schnauzen lecken. Das löst bei den Alttieren den Reflex aus, Nahrung hervorzuwürgen. Bereits mit acht Wochen sind die Kleinen auch in der Lage, selber Fleisch zu kauen. Im Herbst sind die Jungen groß genug, um die Wölfe auf ihren langen Wanderungen durch das Revier zu begleiten. In seinem ersten Lebensjahr besitzt ein Wolf eine gewisse Narrenfreiheit im Rudel. Im Spiel mit seinen Wurfgeschwistern und den erwachsenen Tieren lernt ein Wolf alle wichtigen Verhaltensweisen, die er zum Überleben braucht. Einen festen Platz in der Rangordnung haben diese Tiere in der Regel noch nicht.

Nach oben